Bio oder nicht Bio?

Mai 12, 2020Alle Beiträge

Häufig werde ich gefragt, ob Bio-Gemüse wirklich gesünder sei als «normales» Gemüse. Ich verstehe es gut: Jeder spricht davon, oft mit erhobenem Zeigefinger. Und Bio kostet Geld, da beisst die Maus keinen Faden ab. Doch wie sieht es eigentlich aus:

Ist Bio-Gemüse besser für die Gesundheit als konventionell angebautes Gemüse?

In kurz: Mehr als ein «wahrscheinlich» geben die wissenschaftlichen Daten nicht her. Wichtig ist vor allem, dass Gemüse frisch ist und möglichst wenig behandelt.

In lang: Es ist kompliziert. Richtig eindeutig sind die wissenschaftlichen Aussagen nicht. Hierfür gibt es viele Ursachen, manch einer zählt Lobbyismus dazu. Die beiden wichtigsten Gründe lauten aber: Zum einen fehlen grossflächig und langfristig angelegte Studien zum Thema Bio & Gesundheit (also Studien, in denen zig Tausende Menschen über zig Jahre hinweg gesundheitlich «überprüft» werden). Zum anderen werden im Bio-Landbau oft andere Sorten als im konventionellen Anbau angepflanzt. Der Nährstoffgehalt schwankt erheblich zwischen verschiedenen Sorten (ein Boskoop-Apfel zum Beispiel hat einen ungleich höheren Polyphenol-Gehalt als ein Gala-Apfel), somit ist die Zusammensetzung von konventionellem und Bio-Gemüse oft nicht vergleichbar. Trotzdem geht man aktuell davon aus, dass biologisch angebautes Gemüse mehr sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe und weniger Pestizidrückstände aufweist als herkömmliches Gemüse. Dass Pestizide der Gesundheit oft schaden, ist kein Geheimnis. Und sekundäre Pflanzenstoffe sind der Gesundheit tatsächlich zuträglich. Da es Tausende solcher Pflanzenstoffe gibt (wirklich wahr), ginge es hier zu weit, die Vorzüge der einzelnen aufzuzählen… Aber die oben genannten Polyphenole sind ein Beispiel dafür. Und gleichzeitig diejenigen Inhaltsstoffe, die Cranberries & Granatapfel den Spitznamen «Superfood» eingebracht haben. Trotzdem bleibt: Auch wenn Bio-Gemüse gewisse Vorteile hat, heisst das nicht, dass konventionell angebautes Gemüse per se «ungesund» sei. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist es vor allem wichtig, frisches Gemüse zu essen: Je frischer, desto höher i.d.R. der Gehalt an Vitaminen & Co. Ausserdem gilt oftmals: je saisonaler und dabei regionaler das Gemüse, desto weniger ist es behandelt. Das stimmt nicht immer, aber als Daumenregel langt’s!

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